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Standardisierte EDI Schnittstellen

Was ist EDI? Was zeichnet EDI Schnittstellen aus? Welche Arten von Schnittstellen gibt es? Das alles und viel mehr erfahren Sie in diesem interessanten Blogbeitrag!

Denis, Interfacedeveloper

Viele Unternehmen haben EDI im Einsatz, einige davon vertrauen dabei auch auf die Servicelösungen von EDI Dienstleistern, welche Schnittstellen zur Verfügung stelle. Über diese Schnittstellen kann der elektronische Datenaustausch zwischen den jeweiligen Systemen stattfinden. Hierbei greift man meist auf Standardformate zurück, manchmal aber werden auch eigene Formate definiert, die es den Unternehmen ermöglicht, besondere Geschäftsprozesse unternehmensübergreifend zu realisieren.
Was sind die Anforderungen an solche EDI Schnittstellen? Gibt es einen Standard für alles?

 

Was ist EDI?

Electronic Data Interchange (kurz EDI) ersetzt geschäftsrelevante Papierdokumente durch elektronische Dokumente, welche mit Hilfe eines Standardformates zwischen Sender und Empfänger ausgetauscht werden können. Solange Sender und Empfänger das gleiche Format unterstützen, werden die Daten von beiden Seiten exakt gleich interpretiert und verarbeitet.

 

 

Standardformate

Im Laufe des letzten Jahrzehnts haben sich mehrere unterschiedliche Nachrichtenstandards etabliert. Grund dafür ist die Eignung der Formate für Geschäftsprozesse bestimmter Branchen oder Regionen. Zu diesen branchen- bzw. regionsabhängigen Standards zählen unter anderem:

  • ODETTE: europäische Automobilindustrie
  • ANSI X.12: nordamerikanischer Standard
  • SWIFT: internationaler Bank Standard
  • VDA: deutsche Automobilindustrie

 

Es existieren aber auch Standards, welche als branchenneutral gelten und für alle Geschäftsfälle eingesetzt werden können:

  • EDIFACT
  • XML
  • CSV
  • IDoc

 

 

Geschäftsdokumente

Mit einem Standardformat können viele Geschäftsdokumente in elektronischer Form repräsentiert werden. Wie kann man nun feststellen, ob es sich bei der EDI Datei um beispielsweise eine Bestellung oder eine Rechnung handelt?

Die Lösung dafür sind Nachrichtenarten. Während das Standardformat die Struktur der EDI Datei beschreibt, beschreibt die Nachrichtenart den eigentlichen Zweck bzw. Inhalt der Nachricht und teilt dem Empfänger mit, wie die Daten interpretiert werden müssen. Gängige Nachrichtenarten sind Bestellung, Auftragsbestätigung, Lieferabruf, Lieferschein, Rechnung, Gutschrift, usw.

 

 

Was zeichnet eine EDI Schnittstelle aus?

Damit nun das Geschäftsdokument im standardisierten Format von einem Unternehmen in ein anderes gelangen kann, müssen standardisierte Übertragungsprotokolle verwendet werden. Zweck der Übertragungsprotokolle ist vor allem der zuverlässige Versand und Erhalt der Daten, aber auch die Sicherheit der Daten während der Übertragung spielt eine große Rolle. Mit Sicherheit ist primär die Verschlüsselung der Daten gemeint, um diese vor Dritten zu schützen.

Gängige Protokolle im EDI Bereich sind beispielsweise AS2, SFTP, FTP(S), HTTP(S), usw.
Achtung: Nicht jedes Protokoll unterstützt eine sichere Datenübertragung!

Während beispielsweise HTTPS mit TLS Version 1.2 zum heutigen Zeitpunkt als sicher eingestuft wird, gilt HTTP als sehr unsicher, da mit diesem Protokoll das Geschäftsdokument im Klartext an den Empfänger übertragen wird. Somit ist der Inhalt des elektronischen Dokumentes von Dritten einsehbar.

Um eine zuverlässige und sichere Datenübertragung zu gewährleisten, müssen auf Sender- und Empfängerseite Schnittstellen entwickelt werden, welche für das jeweilige Format und das Übertragungsprotokoll angepasst sind. Eine ideale EDI Schnittstelle sollte folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Datensicherheit
  • Ausfallsicherheit
  • Fehlertoleranz
  • Transparenz

 

 

Nachrichtenvalidierung spielt eine große Rolle

Übertragungsfehler kommen immer wieder vor. Wichtig ist, das System so gut es geht abzusichern, so dass Übertragungsfehler frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden. Es darf nicht vorkommen, dass die Schnittstelle fehlerhafte Dateien akzeptiert und diese weiterverarbeitet.

Eine Schnittstelle interpretiert die Daten als fehlerhaft, wenn

  • die Datei unvollständig ist
  • die Datei nicht dem Standardformat entspricht, welches die Schnittstelle erwartet
  • die Nachrichtenart des EDI-Dokuments ein anderes ist als erwartet (z.B. kann eine Rechnungsschnittstelle keine Bestellnachrichten verarbeiten)

 

Ein erster Schritt, dies zu ermöglichen, ist die Nachrichtenvalidierung.

Unter Nachrichtenvalidierung versteht man das Prinzip, eine Nachricht bzw. ein elektronisches Dokument gegen den festgelegten Standard (Standardformat und Nachrichtenart) zu prüfen, um die Richtigkeit und Vollständigkeit der Nachricht festzustellen. Ist eine Nachricht nicht valide, muss dies dem Sender mitgeteilt werden, damit dieser weiß, dass der Empfänger das Geschäftsdokument abgelehnt hat. Die Mitteilung erfolgt auf elektronischem Wege. Abhängig vom Übertragungsprotokoll und Geschäftslogik der EDI Schnittstelle, kann die EDI Nachricht zum Zeitpunkt des Erhalts validiert werden (z.B. mit HTTP(S)), oder erst zum Zeitpunkt der tatsächlichen Verarbeitung (z.B. mit FTP).

 

 

Arten von Schnittstellen

Eine Schnittstelle, welche viele Standardformate und Nachrichtenarten unterstützt, ist in den meisten Fällen mit sehr viel Aufwand verbunden, zudem die Wartbarkeit einer so großen Schnittstelle nicht gegeben ist. Auch die Zuverlässigkeit der Schnittstelle ist gefährdet, da ein Ausfall alle Geschäftspartner betreffen kann.
Unternehmen haben verschiedene Konzepte für diese Problematiken erarbeitet, welche sich langfristig auch bewährt haben. Zu denen zählen beispielsweise:

 

  • Schnittstelle pro Standardformat, Nachrichtenart und Übertragungsprotokoll
    Beispielsweise bietet ein Unternehmen die Schnittstelle HTTP(S) - EDIFACT - ORDERS an, über diese nur Bestellungen über HTTP(S) empfangen und verarbeitet werden. Diese Art von Schnittstelle ermöglicht es verschiedene Formate logisch voneinander zu trennen und für jeweilige Kombination aus Standardformat, Nachrichtenart und Übertragungsprotokoll eine maßgeschneiderte Logik zu implementieren. Nachteil eines solchen Konzepts ist der hohe Ressourcenverbrauch der Schnittstellen sowie auch der Aufwand der Wartung.
  • Schnittstelle pro Geschäftspartner
    Bedient man mit einer Schnittstelle viele Geschäftspartner, ist bei Ausfall der Schnittstelle jeder Geschäftspartner betroffen. Um das zu verhindern, werden z.B. pro Geschäftspartner eigene Schnittstellen bereitgestellt, über welche nur dieser Geschäftspartner kommuniziert. Vorteil hierbei ist die logische Trennung der Datenverarbeitung aller Geschäftspartner, was z.B. auch die Individualisierung der Schnittstellen ermöglicht.
  • “Allzweckschnittstelle”
    Man stellt den Geschäftspartnern eine Standardschnittstelle zur Verfügung, welche mehrere Formate und Nachrichtenarten verarbeiten kann. Die Trennung der Nachrichten passiert dann in der logischen Verarbeitung. Dieses Konzept kann, wenn es richtig umgesetzt wird, für den Betrieb sehr ressourcenschonend sein, die Logik für die Verarbeitung der Nachrichten jedoch viel Komplexität mit sich bringt. Auch eine Nachrichtenvalidierung gestaltet sich hier eventuell schwierig.

 

Welches Konzept man erarbeitet oder verfolgt ist meist abhängig von den Geschäftspartnern, der eigenen Unternehmensgröße und der eigenen Unternehmensstrategie bzw. -philosophie. Ist man in einem Geschäftsfeld tätig, wo es rein um das Konvertieren der EDI Nachricht geht, um diese an einen Geschäftspartner zu übertragen, so würde man hier die Schnittstellen anders aufbauen, als in einem Unternehmen, wo eine SaaS-Lösung (Software as a Service) mit öffentlichen Schnittstellen zum Einsatz kommt und der Service kundenindividuell angepasst wird.

 

 

Fazit

Um die Langlebigkeit einer EDI Schnittstelle zu gewährleisten, müssen viele Faktoren berücksichtigt werden. Vor allem EDI Dienstleister wollen mit ihren standardisierten Schnittstellen eine hohe Flexibilität erreichen, um diese gegebenfalls auf Kundenwünsche erweitern zu können, dabei jedoch den Implementierungsaufwand so gering wie möglich zu halten. Mit einem guten Konzept können EDI Schnittstellen mit geringen Implementierungsaufwand an Kunden angepasst werden und so den Standard erweitern.

Eine EDI Schnittstelle, welche eine hohe Datensicherheit und Ausfallsicherheit bietet, steigert die Langlebigkeit der Schnittstelle und auch die Zufriedenheit der Kunden bzw. Geschäftspartner.
Die ideale Schnittstelle ermöglicht einen medienbruchfreien Datenaustausch zwischen Unternehmen, wovon beide Seiten nur profitieren können.

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